Praxis-Fallstudien zur Holdinggesellschaft – Teil 2: Wenn eine Holdingstrategie - und was Unternehmer daraus lernen können
8. August 2026
Eine Holdinggesellschaft kann viele Vorteile bieten: Risiken lassen sich auf verschiedene Gesellschaften verteilen, Gewinne können für neue Investitionen genutzt werden und unterschiedliche Geschäftsbereiche können unter einem gemeinsamen Dach wachsen.
Doch eine Holdingstruktur allein macht ein Unternehmen noch nicht erfolgreich. Fehlen eine klare Strategie, ausreichende Marktkenntnisse und eine solide Finanzierung, kann aus der geplanten Wachstumsstrategie schnell eine finanzielle Belastung werden.
Das zeigt die Geschichte der ABC Holding GmbH.
Der Plan: Mit einer Holding neue Geschäftsfelder aufbauen
Peter Weber war ein erfolgreicher Einzelhändler. Sein Unternehmen, die Weber Einzelhandel GmbH, war seit mehr als 20 Jahren am Markt etabliert und erzielte stabile Umsätze.
2015 gründete er die ABC Holding GmbH. Unter ihrem Dach sollten neben dem bestehenden Einzelhandelsunternehmen zwei weitere Gesellschaften aufgebaut werden: die Weber Logistik GmbH und die Weber Immobilien GmbH.
Die Idee klang zunächst überzeugend. Die Gewinne aus dem Einzelhandel sollten genutzt werden, um die neuen Geschäftsbereiche aufzubauen. Gleichzeitig wollte Peter Weber Risiken verteilen, Synergien schaffen und die steuerlichen Möglichkeiten einer Holdingstruktur nutzen.
Doch die Entwicklung verlief anders als geplant.
Zu optimistische Erwartungen
Das Einzelhandelsgeschäft blieb zwar stabil, wuchs aber kaum noch. Gleichzeitig gelang es der Logistikgesellschaft nicht, ausreichend profitable Aufträge zu gewinnen. Der Markt war stark umkämpft und die Margen waren niedrig.
Auch die Immobiliengesellschaft entwickelte sich schlechter als erwartet. Notwendige Renovierungen verursachten zusätzliche Kosten und die geplanten Mieteinnahmen konnten nicht erreicht werden.
Ein entscheidendes Problem war, dass Peter Weber zwar über umfangreiche Erfahrungen im Einzelhandel verfügte, nicht jedoch in den Bereichen Logistik und Immobilien.
Vor dem Einstieg in die neuen Geschäftsfelder fehlten gründliche Marktanalysen. Die wirtschaftlichen Erwartungen beruhten deshalb teilweise auf Annahmen, die sich später als unrealistisch herausstellten.
Fehlende Finanz- und Risikoplanung
Hinzu kam eine hohe Fremdfinanzierung. Für den Aufbau der neuen Tochtergesellschaften nahm die Holding Kredite auf. Zinsen und Tilgungen belasteten zunehmend die Liquidität.
Ein wirksames Risikomanagement und eine ausreichende Liquiditätsplanung fehlten.
Damit entstand ein gefährlicher Kreislauf: Die neuen Tochtergesellschaften benötigten ständig zusätzliches Kapital, während das etablierte Einzelhandelsunternehmen nicht genügend zusätzliche Gewinne erwirtschaftete, um diese Verluste dauerhaft auszugleichen.
Auch die erhofften Synergien blieben aus. Gemeinsame Verwaltungsstrukturen oder zentral organisierte Bereiche wie Buchhaltung und IT wurden nicht konsequent aufgebaut. Die Tochtergesellschaften arbeiteten weitgehend unabhängig voneinander.
Das Ende der Holding
Bis 2020 hatte sich die finanzielle Situation erheblich verschlechtert. Sanierungsversuche brachten nicht den gewünschten Erfolg. Schließlich mussten einzelne Unternehmen verkauft werden, um Schulden abzubauen und eine Insolvenz zu vermeiden.
2021 wurde die ABC Holding GmbH aufgelöst. Die Verkaufserlöse blieben deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Peter Weber verlor einen erheblichen Teil seines aufgebauten unternehmerischen Vermögens.
Was können Unternehmer daraus lernen?
Diese Fallstudie zeigt einen wichtigen Grundsatz: Eine Holding ist ein Werkzeug – aber kein Erfolgsgarant.
Bevor Sie neue Tochtergesellschaften gründen oder neue Geschäftsfelder erschließen, sollten Sie den Markt, den Kapitalbedarf und die möglichen Risiken genau analysieren. Besonders wichtig ist eine realistische Liquiditätsplanung. Nicht nur der erwartete Gewinn zählt, sondern auch die Frage: Wie lange können Verluste finanziert werden?
Ebenso sollten neue Geschäftsfelder nicht allein deshalb aufgebaut werden, weil Kapital vorhanden ist oder steuerliche Vorteile möglich erscheinen. Unternehmerisches Know-how, klare Verantwortlichkeiten und ein funktionierendes Risikomanagement sind mindestens genauso wichtig.
Eine erfolgreiche Holding entsteht deshalb nicht durch möglichst viele Tochtergesellschaften. Sie entsteht durch eine klare Strategie, wirtschaftlich tragfähige Unternehmen und eine solide finanzielle Grundlage.
Die entscheidende Frage lautet nicht: „Wie viele Unternehmen kann ich unter meiner Holding aufbauen?“ Sondern: „Welche Unternehmen machen meine Holding langfristig stärker?“
Neuester Beitrag

Praxis-Fallstudien zur Holdinggesellschaft – Teil 3: Wachstumsstrategie durch Unternehmensübernahmen










