Praxis-Fallstudien zur Holdinggesellschaft – Teil 5: Krisenmanagement bei wirtschaftlicher Instabilität


 29. August 2026


Eine wirtschaftliche Krise kann ein Unternehmen schneller treffen, als viele Unternehmer erwarten. Umsätze brechen ein, Kosten laufen weiter und plötzlich wird die Liquidität knapp. Gerade in solchen Situationen zeigt sich, wie wichtig klare Strukturen, schnelle Entscheidungen und ein funktionierendes Risikomanagement sind.


Das Beispiel der GlobalTech Holding AG zeigt, wie eine Holdinggesellschaft eine schwere wirtschaftliche Krise bewältigen kann.



Wenn plötzlich 25 Prozent Umsatz fehlen


Die GlobalTech Holding AG ist ein international tätiger Konzern mit Tochtergesellschaften in den Bereichen Elektronik, Maschinenbau und Chemie. Anfang 2020 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage erheblich. Die Nachfrage nach den Produkten ging zurück und innerhalb der ersten beiden Quartale brachen die Umsätze um mehr als 25 Prozent ein.


Das Problem: In den Jahren zuvor hatte die Unternehmensgruppe stark in ihr Wachstum investiert. Viele Investitionen waren über Kredite finanziert worden. Die Kreditraten, Zinsen, Gehälter und sonstigen laufenden Kosten mussten jedoch weiterhin bezahlt werden.


Aus einem Umsatzproblem wurde deshalb schnell ein Liquiditätsproblem.


Die Geschäftsführung musste handeln.



Liquidität hatte oberste Priorität


Der erste Schritt bestand darin, die bestehenden Finanzierungen neu zu ordnen. Die Holding verhandelte mit Banken und anderen Gläubigern über längere Laufzeiten, günstigere Konditionen und die Umwandlung kurzfristiger Verpflichtungen in langfristige Finanzierungen.


Damit gewann das Unternehmen etwas besonders Wertvolles: Zeit.


Gleichzeitig prüfte die Geschäftsführung sämtliche Tochtergesellschaften. Dabei stellte sie fest, dass zwei Unternehmen aus dem Bereich Konsumelektronik bereits seit längerer Zeit Verluste verursachten und nicht mehr zur zukünftigen Strategie des Konzerns passten.


Die Holding entschied sich deshalb zum Verkauf dieser Gesellschaften. Dadurch floss neue Liquidität in die Unternehmensgruppe. Gleichzeitig wurden laufende Verluste beseitigt und die Geschäftsführung konnte sich stärker auf die profitablen Kerngeschäfte konzentrieren.



Kosten senken - aber nicht nur sparen


Parallel begann ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm. Produktionsabläufe wurden überprüft, Lieferverträge neu verhandelt sowie Verwaltungs- und Personalkosten reduziert.


Doch die Unternehmensleitung machte nicht den Fehler, einfach überall den Rotstift anzusetzen. Gleichzeitig wurde gezielt in Digitalisierung und Automatisierung investiert. Damit sollten Prozesse dauerhaft effizienter und kostengünstiger werden.


Das Ziel lautete also nicht nur: Wie können wir heute Geld sparen?


Viel wichtiger war die Frage: Wie können wir das Unternehmen dauerhaft besser aufstellen?



Aus der Krise lernen


Eine weitere wichtige Veränderung betraf das Risikomanagement. Die GlobalTech Holding AG führte ein Frühwarnsystem ein, das wichtige wirtschaftliche Entwicklungen und Unternehmenskennzahlen regelmäßig überwachte.


Zusätzlich wurden Stresstests durchgeführt. Die Geschäftsführung wollte beispielsweise wissen: Was passiert, wenn der Umsatz erneut um 10, 20 oder sogar 30 Prozent zurückgeht? Wie lange reicht die vorhandene Liquidität? Welche Tochtergesellschaften wären besonders gefährdet?


Innerhalb eines Jahres zeigten die Maßnahmen Wirkung. Die Liquidität stabilisierte sich, unrentable Bereiche waren verkauft und die Unternehmensgruppe konnte sich wieder stärker auf ihre profitablen Geschäftsfelder konzentrieren.



Was können KMU daraus lernen?


Natürlich ist die GlobalTech Holding AG ein großer Konzern. Die grundlegenden Erkenntnisse lassen sich jedoch auch auf kleinere Holdingstrukturen übertragen.


Eine Holding sollte nicht erst dann über Risiken, Liquidität und unrentable Geschäftsbereiche nachdenken, wenn die Krise bereits da ist. Unternehmer sollten regelmäßig prüfen, wie abhängig ihre Gesellschaften voneinander sind, welche Liquiditätsreserven vorhanden sind und wie sich ein deutlicher Umsatzrückgang auswirken würde.


Die wichtigste Erkenntnis lautet: Eine Holdingstruktur allein schützt nicht vor wirtschaftlichen Krisen. Richtig geführt kann sie aber Möglichkeiten schaffen, Risiken zu begrenzen, Unternehmensteile gezielt zu steuern und schneller auf Veränderungen zu reagieren.


Eine Krise muss deshalb nicht zwangsläufig das Ende einer Unternehmensgruppe bedeuten. Sie kann auch der Anlass sein, Strukturen zu hinterfragen, Schwachstellen zu beseitigen und das Unternehmen widerstandsfähiger für die Zukunft aufzustellen.


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Die Macht der Holdinggesellschaften


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