Praxis-Fallstudien zur Holdinggesellschaft – Teil 9: Unternehmerblicke auf Gründung und Wachstum


 26. September 2026


Eine Holdinggesellschaft entsteht selten nur aus steuerlichen Gründen. Häufig beginnt alles mit einer unternehmerischen Idee: Das Unternehmen soll wachsen, neue Geschäftsfelder sollen entstehen oder weitere Unternehmen sollen übernommen werden.


Doch wie sieht dieser Weg in der Praxis aus?


Für diese Fallstudie habe ich mit dem Unternehmer Herrn Meier gesprochen. Er gründete vor rund zehn Jahren eine Holdinggesellschaft. Heute gehören mehrere erfolgreiche Tochtergesellschaften zu seiner Unternehmensgruppe. Seine Erfahrungen zeigen, welche Chancen eine Holding bietet – aber auch, welche Herausforderungen Unternehmer nicht unterschätzen sollten.



Warum überhaupt eine Holding?


Als Herr Meier vor zehn Jahren über die Zukunft seines Unternehmens nachdachte, stand für ihn fest: Einfach nur das bestehende Unternehmen zu vergrößern, war nicht sein Ziel.


Er wollte neue Märkte erschließen, in unterschiedliche Geschäftsfelder investieren und sein unternehmerisches Risiko breiter verteilen.


Die Holding bot ihm dafür eine passende Struktur. Unter dem Dach der Muttergesellschaft konnten verschiedene Tochtergesellschaften aufgebaut und Beteiligungen gehalten werden. Gleichzeitig ließen sich die einzelnen Geschäftsbereiche organisatorisch voneinander trennen.


Auch steuerliche Überlegungen spielten bei der Entscheidung eine Rolle. Sie waren jedoch nicht der einzige Grund für die Gründung.


Das ist eine wichtige Erkenntnis: Eine Holding sollte nicht allein wegen möglicher Steuervorteile gegründet werden. Sie sollte zu den langfristigen unternehmerischen Zielen passen.



Wachstum bringt neue Herausforderungen


Mit jeder neuen Tochtergesellschaft wurde die Unternehmensgruppe größer. Damit entstanden aber auch neue Probleme.


Herr Meier stellte beispielsweise fest, dass jedes Unternehmen seine eigene Kultur hatte. Mitarbeiter und Führungskräfte waren unterschiedliche Arbeitsweisen, Entscheidungswege und Führungsstile gewohnt.


Was in einem Unternehmen hervorragend funktionierte, ließ sich nicht automatisch auf ein anderes übertragen.


Eine seiner wichtigsten Aufgaben bestand deshalb darin, eine gemeinsame Richtung zu entwickeln, ohne den einzelnen Tochtergesellschaften ihre notwendige Eigenständigkeit zu nehmen.


Genau hier zeigt sich eine besondere Herausforderung einer Holding: Dezentral arbeiten und trotzdem gemeinsam handeln.



Kommunikation wird zum Erfolgsfaktor


Herr Meier investierte deshalb bewusst in die Zusammenarbeit seiner Führungskräfte. Schulungen, Workshops und gemeinsame Gespräche sollten dafür sorgen, dass die Verantwortlichen nicht nur ihr eigenes Unternehmen sehen, sondern die gesamte Unternehmensgruppe im Blick behalten.


Dabei ging es nicht darum, jede Tochtergesellschaft gleichzumachen. Vielmehr sollte eine gemeinsame Vorstellung davon entstehen, wohin sich die Gruppe entwickeln will.


Klare Zuständigkeiten spielen dabei eine wichtige Rolle: Welche Entscheidungen trifft die Holding? Welche Entscheidungen verbleiben bei der Geschäftsführung der jeweiligen Tochtergesellschaft? Und bei welchen Themen müssen sich alle Beteiligten abstimmen?


Je größer eine Holding wird, desto wichtiger werden solche Regeln.



Auch die Zahlen müssen mitwachsen


Eine weitere Herausforderung war das Finanzmanagement.


Mehrere Gesellschaften bedeuten mehrere Buchhaltungen, Jahresabschlüsse, Steuererklärungen und gegebenenfalls Verträge sowie Leistungsbeziehungen zwischen den Gesellschaften.


Herr Meier holte deshalb frühzeitig einen erfahrenen Steuerberater hinzu. Gemeinsam wurde darauf geachtet, die steuerlichen Möglichkeiten der Holding zu nutzen und gleichzeitig die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten.


Auch daraus lässt sich etwas lernen: Eine wachsende Holding braucht nicht nur eine gute Geschäftsidee, sondern auch professionelle Strukturen im Finanz-, Steuer- und Rechnungswesen.


Die Zahlen sollten dabei nicht erst zum Jahresende betrachtet werden. Eine Unternehmensgruppe braucht laufend Informationen darüber, wie sich die einzelnen Tochtergesellschaften entwickeln. Welche Gesellschaft verdient Geld? Wo entstehen Verluste? Wie entwickelt sich die Liquidität? Wo werden Investitionen notwendig?


Ein gutes Controlling wird deshalb mit zunehmender Größe der Holding immer wichtiger.



Eine Holding ist kein fertiges Konstrukt


Besonders interessant finde ich einen Gedanken aus dem Gespräch mit Herrn Meier: Eine Holdingstruktur ist niemals endgültig fertig.


Unternehmen verändern sich. Märkte verändern sich. Neue Geschäftsfelder kommen hinzu, andere werden möglicherweise verkauft oder eingestellt. Vielleicht wird eine weitere Tochtergesellschaft gegründet oder ein Unternehmen übernommen.


Deshalb sollte ein Unternehmer seine Holdingstruktur regelmäßig überprüfen.


Passt die Struktur noch zu meinen Zielen? Sind die Zuständigkeiten klar geregelt? Funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Gesellschaften? Und liefert mir mein Rechnungswesen die Informationen, die ich für meine Entscheidungen benötige?



Mein Fazit


Das Beispiel von Herrn Meier zeigt: Eine Holding kann eine hervorragende Grundlage für Wachstum sein. Sie ermöglicht es, unterschiedliche Geschäftsbereiche unter einem gemeinsamen Dach zu entwickeln und trotzdem rechtlich und organisatorisch voneinander zu trennen.


Aber die Holding allein schafft noch keinen Erfolg.


Entscheidend sind eine klare Strategie, gute Kommunikation, eindeutige Verantwortlichkeiten und ein funktionierendes Finanz- und Controllingsystem.


Wer eine Holding gründen möchte, sollte deshalb nicht zuerst fragen:

„Wie viel Steuern kann ich damit sparen?“


Die bessere Frage lautet:

„Wo soll mein Unternehmen in fünf oder zehn Jahren stehen – und hilft mir eine Holding dabei, dieses Ziel zu erreichen?“


Genau darin liegt aus meiner Sicht die eigentliche Stärke einer Holdinggesellschaft: Sie ist nicht nur eine gesellschaftsrechtliche Konstruktion. Richtig aufgebaut kann sie zu einem Werkzeug werden, mit dem Unternehmer Wachstum strukturieren, Risiken trennen und langfristig Unternehmenswerte aufbauen.


Oder passend zu meiner WGW-Formel:

Werte schaffen. Geld verdienen. Wohlstand aufbauen.


Buch

Die Macht der Holdinggesellschaften


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